Manuka Honig - Das neuseeländische Naturphänomen

11. November 2019 — von Madeleine Paul

In einer Studie¹ der University of Portsmouth wurde die Ausdehnung von E.-coli Bakterien untersucht. Das Ergebnis ist überraschend: Innerhalb von 72 Stunden hafteten 70 % weniger Bakterien an der getesteten Oberfläche als zu Beginn – das eingesetzte Präparat enthielt Manuka-Honig.

Manuka-Honig wird in Neuseeland aus dem Nektar der Südseemyrte gewonnen. Durch ein einzigartiges Naturphänomen, den »Manuka-Effekt«, wird Manuka-Honig weltweit als Naturheilmittel angesehen. Der Effekt beruht auf einer Eigenschaft des Aldehyds Methylglyoxal (MGO). Dieses entsteht als Stoffwechselprodukt beim Umwandeln von Zucker in Alkohol im Darm der Biene. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden fanden mittels HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatografie) heraus, dass schon bei dem Manuka-Honig mit dem geringsten MGO-Gehalt die Konzentration des Zuckerabbauproduktes etwa 100 mal höher als bei anderen medizinischen Honigsorten ist. Je höher der MGO-Gehalt, desto höher ist die antibakterielle Eigenschaft des Honigs. Enzyme im Manuka-Honig produzieren kontinuierlich geringe Mengen an Wasserstoffperoxid. Dieses Peroxid wirkt durch seine oxidativen Fähigkeiten antimikrobiell. So kann der Manuka-Honig nachweislich zahlreiche Bakterien, Viren und Pilzsporen abtöten. Häufig wird der Methylglyoxal-Gehalt bei Produkten, die Manuka-Honig enthalten, auch als Unique-Manuka-Factor (UMF) auf den Verpackungen angegeben – dieser fungiert als Gütesiegel und reicht von 5+ bis 25+.

Zum Vergleich der beiden Werte MGO (mg/kg) zu UMF:

  • MGO 83 entspricht UMF 5+
  • MGO 263 entspricht UMF 10+
  • MGO 514 entspricht UMF 15+
  • MGO 829 entspricht UMF 20+
  • MGO 1200 entspricht UMF 25+

Medizinische Erkentnisse über Manuka-Honig

In Deutschland hat sich Manuka-Honig sowohl im humanmedizinischen als auch im veterinärmedizinischen Bereich etabliert. Forscher der Technischen Universität Dresden haben, unter der Leitung von Prof. Dr. rer. Thomas Henle, die Eigenschaften von Manuka-Honig untersucht. Sie fanden heraus, dass sich bei der Anwendung von Manuka-Honig bei den Erregern keine Resistenzen bilden – im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika. Australische Wissenschaftler kamen ebenfalls zu diesem Ergebnis² und fanden heraus, dass MGO sogar in der Lage ist, einen multiresistenten Keim effektiv einzudämmen.

Wundbehandlung mit Manuka-Honig bei Tieren

Manuka-Honig wird bei Tieren, sowohl im Kleintier- als auch im Großtierbereich, ebenso erfolgreich eingesetzt wie in der Humanmedizin. Bei der Behandlung von äußerlichen und inneren, offenen und geschlossenen Wunden kommt Manuka- Honig vielseitig zum Einsatz. Der hohe Methylglyoxal-Gehalt hat zur Folge, dass Keime nicht eindringen und sich vermehren können, der Honig wirkt wundabschließend und hat einen osmotischen Effekt auf das Wundmilieu. In einer australischen Studie² aus dem Jahr 2014 wurde die bakterizide Eigenschaften von Manuka-Honig bei der Wundbehandlung bestätigt. Ein weiterer positiver Effekt des Honigs ist die sukzessive Abgabe von Feuchtigkeit, wodurch das umliegende Gewebe feucht gehalten und der Wundheilungsprozess gefördert wird.

Wichtig für die Praxis: Kein Antibiogramm notwendig

Trotz seiner antibakteriellen Eigenschaft wird der Manuka-Honig laut TÄHAV (Verordnung über tierärztliche Hausapotheken) nicht als Antibiotikum eingestuft. Für die Anwendung des Manuka-Honigs ist in der Wundbehandlung demnach auch kein aufwendiges Antibiogramm notwendig. Sollte aus diagnostischen Gründen dennoch eine Tupferprobe entnommen und eine bakteriologische Untersuchung eingeleitet werden, bietet es sich an, in diesen Fällen bereits mit Manuka-Honig zu behandeln bis das Antibiogramm vorliegt.

¹ School of Pharmacy and Biomedical Sciences, University of Portsmouth, Portsmouth, UK, Somadina Emineke, Alan J Cooper, Sarah Fouch, Brian R Birch, Bashir A Lwaleed

² School of Molecular and Microbial Biosciences, University of Sydney, Sydney, NSW, Australia. The unusual antibacterial activity of medical-grade Leptospermum honey: antibacterial spectrum, resistance and transcriptome analysis.

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