Die kleinen Helfer im Darm und ihre Bedeutung für die Tiergesundheit

03. März 2021 — von Daniela Diepold

Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Viren und Archaeen sind wirklich überall. Sie sind in der Umwelt, auf Bäumen, im Wasser, der Erde und auch auf und im Körper von Menschen und Tieren. Diese Mikroorganismen besiedeln unter anderem den menschlichen und tierischen Darm und bilden ein sogenanntes Mikrobiom. Was das genau ist und wie man das Mikrobiom durch Prä- und Probiotika unterstützen kann, klären wir in diesem Artikel.

Das Mikrobiom – Was ist das überhaupt?

Das Mikrobiom umfasst die Gesamtheit der einen Organismus besiedelnden Mikroorganismen, das sind Bakterien, Archaeen, Viren und eukaryotische Mikroben. Die Zahl mikrobieller Einzeller steht in einem geschätzten Verhältnis von ca. 10:1 zu den Körperzellen eines erwachsenen Menschen. Diese mikrobiellen Ökosysteme, die als Biofilme vorwiegend den Gastrointestinaltrakt aber auch andere Körperhöhlen, Schleimhäute und ganz generell den Körper des Menschen besiedeln, beeinflussen die Funktionen des Organismus nachhaltig. In beinahe jedem Organ wurde mittlerweile ­bakterielle DNA nachgewiesen. Die Wirkung der Bakterien auf das Immunsystem, die Leberfunktion, das Gehirn, die Verdauung, Entzündungen, Knochenauf- und ­-abbau, Muskelregeneration, ­Nierenfunktion und Herz ist momentan Gegenstand intensiver Forschung.

Das Mikrobiom im Darm

Am besten erforscht ist das Darmmikrobiom, das sich je nach Abschnitt des Verdauungstraktes unterschiedlich zusammensetzt. Das intestinale Mikrobiom von Säugetieren wird von fünf Bakterienstämmen dominiert: den Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria, Actinobacteria und Fusobacteria. Katzen, Hunde und Menschen zeigen eine ähnliche Verteilung der Bakterienklassen. Die Funktionen dieser Bakterien sind äußerst vielfältig: Sie spalten Nahrungsbestandteile, produzieren Vitamine, kurzkettige Fettsäuren, Aminosäuren, ­Neurotransmitter, Bacteriocine, Antimykotika, antivirale Substanzen, Alko­hole und Endotoxine. Eine Störung des Mikrobioms bezeichnet man als Dysbiose. Die Diversität und einzelne Bakteriengruppen sind dabei reduziert. Andere Bakterien, beispielsweise Pathogene, können sich hingegen unverhältnismäßig stark vermehren. Eine Dysbiose führt zu einer gestörten Stoffwechselleistung des Mikrobioms und damit zu Entzündungen, verminderter Nährstoffspaltung und einer reduzierten Vitaminproduktion.

Veränderungen des Darm-Mikrobioms können mit Krankheiten zusammenhängen Bei Hund und Katze konzentriert sich die Forschung aktuell auf den Verdauungstrakt, jedoch konnten einige Studien Veränderungen des Darmmikrobioms auch bei chronischer Niereninsuffizienz, Magendrehung, Übergewicht oder exokriner Pankreasinsuffizienz feststellen. Ob diese Mikrobiom­-Veränderungen Ursache oder Folge der Erkrankungen sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Viele Einflüsse wirken auf das Mikrobiom. Allen voran die Ernährung. Eine Vielzahl an Studien konnte bei Hund und Katze den Einfluss einer unterschiedlichen Fütterung zeigen, die sich in ihrem jeweiligen Proteingehalt, Kohlenhydratanteil und Faseranteil unterschieden. Unterstützung des Mikrobioms durch Pro- und Präbiotika Ein gesundes Mikrobiom trägt also nachhaltig zu einem gesunden Organismus bei. Prä- und Probiotika können die kleinen Darmbewohner bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Präbiotika

Als Präbiotika werden nicht-verdaubare Nahrungsbestandteile bezeichnet, die im Dickdarm von der Darmflora abgebaut werden und selektiv das Wachstum oder die Aktivität bestimmter gutartiger Bakterien fördern. Einfach gesagt ist es das Futter für die Mikroorganismen, die Probiotika. Präbiotika sind zum Beispiel Inulin, Oligosaccharide und die Aminosäure Glutamin, welche für die Darmzellen wichtig ist. Die Fixkombination von Probiotika und Präbiotika wird als Synbiotika bezeichnet.

Probiotika

Als Probiotika werden in der Regel lebende Bakterien oder Pilze bezeichnet, die sich im Darm vermehren und einen gesundheitlichen Nutzen vermitteln. Auch abgetötete Mikroorganismen und deren Bestandteile werden verwendet. Bekannte Probiotika sind Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterokokken und Hefepilze. Sie werden unter anderem bei Durchfallerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, zur Stimulierung des Immunsystems und bei Allergien eingesetzt. Probiotika wachsen und vermehren sich im Darm und haben unter anderem antibakterielle Eigenschaften gegen Krankheitserreger, sind antimutagen und stimulieren das Immunsystem. Damit sie in den Darm gelangen, müssen sie resistent gegen die Magensäure und Gallensäuren sein.

Auf einen Blick

  • Mikrobiom umfasst die Gesamtheit der einen Organismus besiedelnden Mikroorganismen, das sind Bakterien, Archaeen, Viren und eukaryotische Mikroben.
  • Probiotika sind Zubereitungen, die lebensfähige Mikroorganismen enthalten, zum Beispiel Milchsäurebakterien und Hefen.
  • Präbiotika dagegen sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die Wachstum und Aktivität der Bakterien im Dickdarm fördern - etwa Ballaststoffe wie Inulin und Oligofruktose.